Das Enlightenment Intensive (E.I.) wurde Ende der 60er Jahre von Charles Berner in Kalifornien, USA, entwickelt und 1968 zum erstenmal von ihm durchgeführt. Sein Grundgedanke war das Zusammenfügen von Kommunikatonstechniken aus der modernen Psychologie mit Elementen der Zen-Meditation, um das Erreichen einer unmittelbaren Seins-Erfahrung möglich zu machen. Der stark strukturierte Tagesablauf des Enlightenment Intensive ist dabei an die Form des Zen-Sesshin angelehnt.
Alleiniges Ziel des Enlightenment Intensive ist es, eine "direkte Erfahrung der Wahrheit" zu erlangen. Dies ist für das Enlightenment zugleich die praktische Definition von Erleuchtung. Gleichwohl kann die Teilnahme daran viele positive Nebenwirkungen haben.
Gewöhnlich und notwendigerweise erleben wir uns selbst, andere und unsere Umgebung mittelbar: durch unsere Sinne, Gedanken, Emotionen, Erinnerungen usw. Durch eine beständige und intensive Kontemplation über drei oder mehr Tage und die sich wiederholende Möglichkeit, das Erlebte während der Kommunikationsübung verbal auszudrücken, geschieht eine Art Reinigung und Distanzierung von alten Identifikationen. Der daraus resultierende klare Bewusstseinszustand ist die Voraussetzung, die eine direkte Erfahrung überhaupt erst möglich macht.
Grundsätzlich ist das Enlightenment Intensive für jeden geeignet, der eine große Neugier auf die Wahrheit hat und bereit ist, einen intensiven und oft anstrengenden Meditationsweg zu gehen. Vorerfahrung oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Für psychisch labile Menschen, sowie Menschen in einer akuten emotionalen Krise ist das E.I. nicht geeignet.
Das E.I. findet in Gruppen ab 6 Teilnehmern statt. Meistens sind es zwischen 8 und
24 Teilnehmer. Es sollte nicht weniger als 3 volle Tage, kann aber auch (selten) bis zu
2 Wochen dauern. Ein typischer Tag verläuft von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr abends:
Das Enlightenment Intensive hat eine stark durchstrukturierte Form.
Ein typischer erster Tag sieht so aus:
• 6.00 - 6.15 Aufstehen und Anziehen
• 6.15 - 7.00 Eröffnungsvortrag des Kursleiters
• 7.00 - 7.15 Körperliche Übungen
• 7.15 - 7.30 Tee
• 7.30 - 8.15 Kommunikationsübung
• 8.15 - 8.45 Frühstück
• 8.45 - 9.30 Kommunikationsübung
• 9.30 - 10.15 Kommunikationsübung
• 10.15 - 11.15 Kontemplation im Gehen
• 11.15 - 12.00 Mittagessen
• 12.45 - 13.30 Kommunikationsübung
• 13.30 - 14.15 Vortrag
• 14.15 - 14.45 Kontemplation im Sitzen
• 14.45 - 15.30 Kommunikationsübung
• 15.30 - 15.45 Tee
• 15.45 - 16.45 Meditation bei der Arbeit
• 16.45 - 17.30 Ruhe
• 17.30 - 18.15 Kommunikationsübung
• 18.15 - 19.15 Abendessen
• 19.15 - 20.00 Kommunikationsübung
• 20.00 - 20.45 Kontemplation im Gehen
• 20.45 - 22.30 Kommunikationsübung
• 22.30 - 22.45 Atem-Übung
• 22.45 - 23.00 Kleine Erfrischung
Zur Struktur gehört, dass Teilnehmer auf Tabak und Alkohol verzichten. Die Ernährung besteht aus einer leichten vegetarischen Vollwertkost. Um besser bei sich und ihrer Meditation bleiben zu können, reden die Teilnehmer außerhalb der Kommunikationsübungen entweder überhaupt nicht oder nur über ihre Erfahrungen in der Meditation.
Zu Beginn und immer wieder zwischendurch bekommen die Teilnehmer Anweisungen zu der Meditationstechnik des Enlightenments.
Die Teilnehmer bekommen für ihre Meditation am Anfang ein "Objekt". Für die meisten, die zum erstenmal ein Enlightenment mitmachen, wird dieses Objekt die eigene Person sein, worauf sie dann in Form einer Frage, in diesem Fall: "Wer bin ich ?" ihre Aufmerksamkeit richten. Andere mögliche Objekte zur Meditation sind "Leben" und "ein anderer", wobei die Frageform "Was ist Leben?" bzw. "Was ist ein anderer?" beibehalten wird. Bei ihrer Meditation beabsichtigen die Teilnehmer jedes Mal, sich (bzw. Leben oder einen anderen) unmittelbar zu erfahren. Sie werden aufgefordert, diese einfache Meditation ständig zu üben, auch beim Essen, Spazieren gehen usw.
Im Mittelpunkt des Enlightenments stehen die Kommunikationsübungen mit einem Partner. Eine Kommunikationsübung dauert 40 Minuten, wobei sich die Partner als Redner und Zuhörer alle 5 Minuten abwechseln. Diese Kommunikationsübung findet 10 bis 12mal am Tag statt und wird jeweils mit einem neuen Partner durchgeführt. Der Teilnehmr findet eine Balance zwischen Meditieren und Mitteilung dessen, was ihm während der Meditation bewusst wird. Der lebendige Kontakt zwischen den Teilnehmern erschafft die Intensität des Enlightenments.
Im Laufe der Stunden und Tage entseht eine Art Entleerung und Ent-Identifikation von vielem Alten. Gewöhnlicherweise erleben die Teilnehmer bestimmte Phasen:
• 1. Die Identifikation mit äußeren Rollen ("Ich bin Vater, Mutter, Lehrer, usw.")
• 2. Intellektuelle und philosophische Vorstellungen
• 3. körperliche und / oder psychische Erscheinungen
• 4. Leere
• 5. Emotionen (Frustration, Wut, Angst, Schmerz)
Auf körperlicher und seelischer Ebene findet ein Reinigungsprozess statt. Kleine und große Krisen tauchen auf, wobei die Teilnehmer unterstützt werden, weiterzumachen. Bis zum Ende des zweiten Tages oder zu Anfang des dritten sind die meisten Teilnehmer und die Gruppe als Ganzes in einem erhöhten Bewusstseinszustand.
Die "direkte Erfahrung" kann nicht willentlich herbeigeführt werden, aber der erhöhte Bewusstseinszustand schafft die beste Voraussetzung dafür, dass eine direkte Erfahrung geschehen kann. Durchschnittlicht sind es zwischen 20 und 30 Prozent der Teilnehmer in einem Enlightenment, die eine solche Erfahrung erleben.
Auszug aus dem Brief eines Teilnehmers:
..."Ich bin überrascht über die Unterschiedlichkeit der beiden Enlightenments, die ich bisher erfahren habe. Sowohl was den Ablauf dort, als auch was die Wirkungen auf mich angeht. Während beim erstenmal die Erfahrung sehr einfach und förderlich in meinen Alltag einwirkte, ich mich sicherer und mehr da seiend erlebte, verstärkte die zweite eine Phase des Nichtwissens, des Verunsichert Seins. Im günstigen Fall erwächst daraus ein Staunen - es fühlt sich an wie ein helles "Aahh" aus einem strahlenden Gesicht, im ungünstigen hinterlässt es Zweifel. Langsam wächst Kraft und Mut zum Vertrauen in uns und aus der Ahnung, dass aus dem Wagnis des Offenseins, Unbestimmtseins, der Hingabe es sich immer wieder neu ordnet, gemäß dem Tatsächlichen, den Prinzipien des Lebens.
Das, was ich hier zu beschreiben versuche, ist nichts Neues, es begegnet einem immer wieder, aber neu hinzugesellt zu meiner Suche hat sich der Wunsch nach Erinnerung daran. Bin gespannt, wohin es mich weiter lebt."...
Das Enlightenment Intensive ist eine wirksame Methode, die den Menschen zu Erlebnissen der tiefsten, ja spirituellen Ebene des Selbst, ohne Dogma, Ideologie oder Abhängigkeitsverhältnis zum Leiter führen kann. Erleuchtung definieren wir als eine Erfahrung, die nicht über Gedanken, sinne, Vorstellungen, Erinnerungen usw. gemacht wird. Diese sind Teile unserer Persönlichkeit, mit denen wir uns im Laufe unseres Lebens identifiziert haben und die nun wie ein Filter wirken, durch den wir die Welt wahrnehmen. Wir benutzen die Fragen "Wer bin ich?", "Was ist Leben?", "Was ist ein anderer?", um diesen Filter abzubauen und zu einer existentiellen Erfahrung unserer wahren Natur zu gelangen. Im Mittelpunkt steht die Kommunikationsübung in Paaren. Die lebendige Interaktion unterstützt jeden einzelnen, bei seiner Aufgabe zu bleiben und immer wieder den Versuch zu unternehmen, sich unmittelbar zu erfahren.